ADVENT


















Erwartung
Der dunkle Abend kriecht durch die kleinen Gassen
das ganze Dorf scheint wie verlassen,
selbst die Abendsonne versinkt auf ihrer Bahn –
in vielen Häusern gehen helle Lichter an.

Ruhig grüßt der alte Silbermond am hohen Firmament –
stets eine Freude, auch wenn man ihn schon lange kennt.
Dazu die vielen Sternchen, die glitzernd funkeln –
dabei strahlen sie aus einem finstren Dunklen.

Sie begleiten uns durch jede düstre Nacht,
bis am Heiligabend der größte Stern erwacht,
der dann hoch am Himmel prächtig blinkt –
und uns allen Zuversicht auf Erden bringt.

Darum lasst uns doch endlich mal verweilen -
und nicht nur hetzen, jagen und beeilen –
nehmen wir die Zeit bis dahin gelassen,
um uns mit der Erwartung zu befassen.

Nur wenn in unseren Herzen alles stimmt,
ein kleiner Funke Hoffnung darin noch glimmt –
dann kann ein jeder wirklich darauf bauen
und am Heiligabend mit Freude in die Krippe schauen.
(c) B. G. 2018
 

Philipp Wahnschaffe


Ein Sohn Hakenstedts
Als Philipp Wahnschaffe am 26.05.1860 in Warsleben das Licht der Welt erblickte, war seine Familie bereits seit drei Generation Pachtnehmer des Klosterhofes von Hakenstedt. Die Dynastie der Familien Wahnschaffe kann auf eine über 110 Jahre andauernde Pachtzeit zurückblicken, die 1778 mit Oberamtmann Johann Georg Engel Wahnschaffe begann, und mit dem Auslaufen des letzten Pachtvertrages im Jahre 1928 von Philipp Wahnschaffe endete. Lediglich die Franzosenzeit und eine weitere Fremdverpachtung unterbrachen diesen Zeitabschnitt.
Philipp ehelichte am 08.03.1896 Elisabeth Güssow, Tochter des Majors Güssow aus Blankenburg. Das Paar schenkte zwei Söhnen, Hans-Georg (*1897) und Engel-Werner (*1899) das Leben.
Amtmann Philipp Wahnschaffe begann 1890 als Pachtnehmer in Hakenstedt. Sein Vater, Oberamtmann Georg Wilhelm Wahnschaffe war von 1844 bis 1864 in Hakenstedt Pächter. Während seiner Amtszeit  erwarb sich Philipp Wahnschaffe große Verdienste durch die Modernisierung der Landwirtschaft, der Umgestaltung des Wirtschaftshofes, dem Neubau von Stallgebäuden und nicht zuletzt durch die Errichtung von Mehrfamilienhäusern. Das Gut verfügte bis 1945 immerhin über insgesamt ca. 20 Wohnimmobilien, die von ca. 75 Familien mit über 260 Personen bewohnt waren. Er setzte konsequent die damaligen technischen Errungenschaften zur Optimierung der Ackerbearbeitung ein. So beschaffte er einen kompletten Dampfpflugsatz mit Zubehör, mit dem er die Feldbearbeitung revolutionierte. Weil größere Feldschläge weit außerhalb lagen, ließ er für die Dampfkolosse einen unbefestigten Feldweg mit erstklassigem Kleinpflaster bis zum Tundersleber Feld herrichten und beteiligte sich neben anderen öffentlichen Baumaßnahmen mit finanziellen Zuschüssen auch am Ausbau der Chaussee nach Eilsleben.
Die guten Erträge seiner Wirtschaftsführung veranlassten ihn bald, nach einem eigenen Gut Ausschau zu halten. In Bonin fand er für seine Familie eine entsprechende Hofanlage, die er erwarb und mit der Familie dorthin verzog. Noch vor Ablauf seines Pachtvertrages übernahm ab 1921 der Buchhalter und stellvertretender Gutsvorsteher Joseph Woschek die Geschäfte, der dafür vom Landrat seine Bestätigung erhielt.
Philipp Wahnschaffe, als Hakenstedter Pachtinhaber hat er sich für unseren Ort bleibende Verdienste erworben. Durch sein Handeln und die rege Bautätigkeit ist es ihm gelungen, seine Handschrift im Dorfbild zu verewigen.

Mit Philipp Wahnschaffe erlischt eine Familiendynastie, die über einen langen Zeitabschnitt Pachtrechte auf dem Gut in Hakenstedt innehatte und ihre bleibenden Spuren bis heute davon Zeugnis ablegen. (Quellen: Hans-Georg Wahnschaffe, „Die Familie Wahnschaffe“ und Kurt Bartels „Familienbuch Hakenstedt“ / inhaltliche Wiedergabe)           

STIFTUNGSGUT Hakenstedt 1618 - 2018


seit 400 Jahren in bürgerlicher Hand.
Das Zisterzienserkloster Mariental ließ ab 1618 den Klosteraussenhof Hakenstedt von bürgerlichen Pächtern verwalten. Davor stand der Außenhof, seit seiner Etablierung um 1300, über 250 Jahre lang in direkter Verwaltung des Klosters Mariental. Im Jahr 1552 war der letzte Mönch vor Ort gezwungen, seine Anwesenheit wegen eines Überfalls abrupt zu beenden. Ein berüchtigtes Raubrittergeschlecht okkupierte den Wirtschaftshof für mehrere Jahrzehnte, bis 1617 dann die Rückübertragung in die Verwaltungshohheit des Klosters gelang. Ab 1674 übernahm die herzogliche Klosterratsstube in Braunschweig die Verwaltung der Klostergüter. Aus ihr ging 1934 die Braunschweig Stiftung hervor.
Innerhalb der 400jährigen bürgerlichen Verwalterepoche kam es lediglich zu zwei Ereignissen, die eine Fremdherrschaft auf dem Klostergut zur Folge hatten. So war zwischen 1808 und 1813, während der französischen Zeit, General Durusnel, Adjutant des Kaisers Napoleon, der Inhaber der Verwalterrechte und in der Neuzeit gab es eine Periode von 1945 bis 1992, in der das Gut unter staatlicher Verwaltung stand.
Einige Pächterfamilien konnten durch Verheiratung oder direkte Vererbung ihre Pachtzeiten wesentlich verlängern. Dabei fällt besonders die Familiendynastie der Wahnschaffes auf, die vom Jahr 1778 bis 1793 mit dem ersten Vertreter der Familie den Grundstein für eine immerhin 110jährige Gesamtpachtzeit bis 1928 legten, die von Philipp Wahnschaffe in Hakenstedt beendet worden ist. Insgesamt führten mehrere Vertreter aus 4 Generationen der Wahnschaffes in sechs Etappen das Pächteramt in Hakenstedt aus. Eine interessante Verknüpfung ist auch den Familien Diederich und Breymann nachzuweisen, die es auf 39 Jahre Pachtzeit brachten. Aber auch die Bande zwischen den Familien Breymann und Wahnschaffe, sowie später von Wahnschaffes zur Familie Gontard sind anhand verwandtschaftlicher Verbindungen belegbar.
Aber auch Einzelpersonen, wie Gebhard Johann Hampe können mit 32 Jahren Pachtzeit aufwarten. Neben Familie Rust mit 3 namentlich bekannten Pächtern und 24 Jahren ist noch die Familie Schwarz mit 38 Jahren hervorzuheben.
(Nachzulesen: „Chronik Hakenstedt“ und "Familienbuch Hakenstedt 1642-1835" von Kurt Bartels / beziehbar über amf-versand.de)   
     

Klosterpark

Der Klosterpark Hakenstedt im Wandel der Zeit(en)

Zwei alte Zeichnungen vom Dorf, Gut und Kirche Hakenstedt aus den Jahren 1730 und 1783 liefern uns einen interessanten Einblick in die damalige Anordnung von Gebäuden und Gärten. 
Auf der Zeichnung aus dem Jahre 1730 ist noch ein großer "Lustgarten" eingezeichnet, der sich im nördlichen Bereich des hinteren Klosterhofes, wo später einmal der große Schafstall entstehen sollte, befindet. Gut 50 Jahre später wird dieser Garten als "Küchengarten" dargestellt. Hier vollzog sich ein bewusster Wandel hin zur gesicherten Eigenversorgung des Klosterhofes. 
Dafür taucht auf der Zeichnung aus dem Jahre 1783 im Areal der Klostergärtnerei ein "Neuer Garten" auf, der wohl als Ersatz für den Lustgarten dort angelegt worden war, um hier einen Platz für Ruhe und Entspannung zu schaffen. 
Demnach kann der Beginn zur Umgestaltung des Gartenbereichs bei der Klostergärtnerei in die Mitte des 18. Jahrhunderts gelegt werden. Sicherlich kamen hier damals klare gärtnerische Konzepte zur Ausgestaltung der Parkanlage und zur gezielten Begrünung mit ausgewählten Pflanzen zur Anwendung. Noch zu Zeiten der Pächterfamilien Wahnschaffe stand der Park, neben der Vorgartenanlage des Gutshauses, im Zentrum der Landschaftsgestaltung. Ein reiselustiger Pächter aus der Wahnschaffe-Dynastie organisierte die Beschaffung von echten Kalkkorallen, die er auf seinen Urlaubsreisen entdeckte. Diese natürlichen Gegenstände ließ er durch zementartige Nachbildungen ergänzen und stattete damit sowohl den Klosterpark, wie auch den Vorgarten des Herrenhauses mit aus.  So befand sich auch im Garten des Herrenhauses eine Tuffsteingrotte.
Die langjährigen gärtnerisch und landschaftspflegerischen Arbeiten fanden im Jahr 1945 ein jähes Ende, als der Klosterpark gleich nach dem Krieg ohne Beschränkung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist. Innerhalb weniger Jahre verlor der Park an Attraktivität und verwilderte zusehends. Bis auf einige Aktivitäten der Schule Hakenstedt, die kaum wahrnehmbare Ergebnisse brachten, war der Park dem sozialistischen Einerlei ausgeliefert. Das Volksgut bewirtschaftete zwar noch aktiv die angrenzende Gärtnerei erfolgreich, aber der Park geriet in der Folge fast in Vergessenheit.  

Fundstück


Beim Stöbern entdeckt

Ein Zeitungsartikel aus den 1960er Jahren
in denen wir als Schüler auch gehalten waren -
das Westfernsehen unbedingt zu ignorieren
und dafür den DDR-Klamauk zu konsumieren.            
Die eigene Meinung ist schon was wert,
wie man aus diesem Artikel hier erfährt.
Nicht nur nachplappern die offiziellen Sachen,
sondern stets immer eigene Gedanken machen.
Das war schon unter der roten Flagge Brauch –
und so ist es eben wohl gerade heute auch.
           
















(Der Ort und die aufgeführten Familiennamen wurden aus 
Gründen des Datenschutzes unkenntlich gemacht. Nichts desto
trotz handelt es sich doch um ein bezeichnendes Dokument zur
sogenannten Meinungsfreiheit im Arbeiter- und Bauernstaat)                    

Henning Franz Hampe


Ein Sohn Hakenstedts
Dem, am 13.07.1670 in Hakenstedt als Sohn des Amtmannes Gebhard Johann Hampe  und seiner dritten Ehefrau Catharina Elisabeth Hampe geborenen Henning Franz Hampe, fiel in der Haldensleber Stadtgeschichte eine wichtige Rolle zu, als der Churfürstliche Hof am 25. Januar 1700 ihn „zu einem Mitglied des Rates und zu einem beständigen Kämmerer“ berief.

Vorangegangen waren turbulente Jahrzehnte, in denen die Pest mit ihren grausamen Begleiterscheinungen  auch die Stadt Haldensleben nicht verschonte. Fast zeitgleich kam hinzu, daß bereits 1685 der preußische König Friedrich Wilhelm die Zuwanderung der aus Frankreich vertriebenen Hugenotten in sein Reich veranlasste. Sein Sohn, Friedrich I., der 1701 als König von Preußen den Thron bestieg, setzte sich ebenfalls als großer Fürsprecher der Hugenotten ein.  Auch Haldensleben hatte sich den großen Herausforderungen zu stellen und gewährte im Jahr 1699 den ersten 50 Hugenottenfamilien eine vorläufige behelfsmäßige Unterkunft in den Häusern der Bürgerschaft. Für diese Neusiedler war ausreichend Wohnraum zu schaffen, eine religiöse Ausübung ihres Glaubens zu organisieren und die handwerkliche Einbindung in die bestehenden Strukturen zu ermöglichen. 

Die neue Französische Kolonie in Haldensleben nahm langsam Gestalt an, obwohl sich der Rat mit vielen zusätzlichen Problemen der Integration konfrontiert sah. Zur Überwindung der vor dem Rat liegenden komplexen Aufgaben hat der Churfürstliche Hof den in Hakenstedt gebürtigen  Franz Henning Hampe als Kommissär für das Stadtgremium Haldensleben verpflichtet. Zur Stärkung seiner Amtskompetenz ist Franz Henning Hampe zudem im Mai 1701 vom Landesherren zum dritten außerordentlichen Bürgermeister der Stadt Haldensleben ernannt worden. Im Jahre 1706 rückte er nach dem Tode seines Amtskollegen, Bürgermeister Bartling, an die erste Stelle des damaligen Rathskollegiums. Im gleichen Jahre erwählte man Franz Henning Hampe auch noch zum Schultheiß und Stadtrichter. Er war nun Bürgermeister, Kämmerer und Richter in einer Person. Sein organisatorisches Talent, sein Durchsetzungsvermögen und seine fachliche Kompetenz wirkten sich u.a. auf wichtige bauliche Aufgaben, sowie strukturelle städtebauliche und organisatorische Veränderungen aus, die bis heute von seiner Weitsichtigkeit Zeugnis ablegen. Als Grundeigentümer mit erheblichen Besitzungen setzte er sich im Jahre 1721 für die Vermessung des Stadtgebietes ein. Nach seinem Ableben am 18. Juni 1722 fand er in einem Gewölbe der Jacobi-Kirche seine letzte Ruhe. Im Jahr 1721 erscheint in den Annalen der Stadt ein Johann Paul Müller, der im Zusammenhang mit einer landesweiten Verwaltungsreform Erwähnung findet. Es handelt sich dabei  um den damaligen Stadtsekretär und Schwiegersohn von Franz Henning Hampe, dem nun als Oberbürgermeister von Haldensleben die Direktion des Collegiums zufiel. Der Bürgermeister Hampe blieb Kämmerer und Stadtrichter – bis zu seinem Tode. So steht’s geschrieben. 

So, wie Franz Henning Hampe in Haldensleben seine Spuren hinterlassen hat, konnte sich auch bereits sein Vater, Amtmann Gebhard Johann Hampe in Hakenstedt große Verdienste erwerben. Als Pächter und Verwalter des Gutes in der Zeit von 1638 bis 1670 hat er nach dem verheerenden 30jährigen Krieg Vorbildliches zum Wiederaufbau des Gutes und der Bauernhöfe im Ort geleistet. 

(Unter freier Verwendung von Inhalten aus der "Kreis-Chronik Neuhaldensleben" von Peter Wilhelm Behrends, Teil I. 1826, sowie Familiendaten aus "Familienbuch Hakenstedt" von Kurt Bartels)

GLOCKENSCHATZ

875 Jahre Hakenstedt / 1.000 Jahre Zuckerhutglocke 
Ein kostbarer Glockenschatz befindet sich auf dem Glockenboden von „St. Marien“. Die kleinste der beiden verbliebenen Glocken blickt bislang wohl auf eine fast tausendjährige Vergangenheit zurück. Ihre Glockenform weist untrügliche Merkmale der mittelalterlichen „Zuckerhutglocke“ auf. Auch wenn sie momentan immer noch ohne Klöppel eher ein stilles Dasein fristet, ist sie ein wahrhaftiges Zeugnis unserer bewegten Ortsgeschichte.
Dabei haben wir es sehr glücklichen Umständen zu verdanken, noch im Besitz dieses Kleinods zu sein. So fanden im Jahre 1942 zwei Hakenstedter Glocken den Weg zum Glockenfriedhof in Magdeburg, als sie für Kriegszwecke konfisziert wurden. Neben einer großen Glocke, die dem Krieg zum Opfer fiel, hat unsere Zuckerhutglocke die Kriegswirren auf dem Glockenfriedhof gut überstanden und konnte 1950 unbeschädigt wieder auf dem Glockenboden von „St. Marien“ ihren angestammten Platz einnehmen. 
Es ist zu vermuten, daß unsere ehrwürdige Zuckerhutglocke wohl mindestens zum Zeitpunkt der urkundlichen Ersterwähnung von Hakenstedt im Jahre 1142, aber vielleicht auch schon viele Jahrzehnte zuvor in Hakenstedter Diensten gestanden hat. So liefern uns alte Schriftstücke u.a. manche Hinweise auf eine Glocke, die sich in der kleinen Kapelle auf dem Klosterhof befand.
Dies ist durchaus realistisch, auch wenn die betagte Glocke wesentlich älter als der Klosterhof sein dürfte. Die Zisterziensermönche aus Mariental begannen erst um 1290 ihren Klosteraussenhofhof in Hakenstedt aufzubauen, als sie drei einzelne Bauernhöfe zusammenlegten. Die ursprüngliche Herkunft der Zuckerhutglocke ist somit wohl gewiss mit dem versunkenen Schloss in Hakenstedt in Verbindung zu bringen. Dabei ist der genaue Einsatzort der Glocke, ob nun im Schloss selber oder in der kleinen Kapelle des Schlosses, heute nicht mehr auszumachen. Sie dient uns immer noch als verbindlicher Beweis einer langen Tradition und vermittelt vielfältige Einblicke in die interessante Hakenstedter Historie.

HAKENSTEDTER FARBEN


Grüne Felder, grüne Wiesen
sind der Schatz in unserer Flur –
gelber Raps und goldne Ähren
schmücken herrlich die Natur.

An das Fischerdorf am großen See
vor langer Zeit einmal gegründet –
erinnert nur die alte Sage noch,
die uns allen davon kündet.

Das Lamm Gottes ziert das Siegel
seit nunmehr vielen Zeiten –
vom Kloster Mariental einst verliehen,
wird es uns weiterhin begleiten.

© B.G. 2016

Fast vergessen..

...sind die durch das Dorf ziehenden großen Schafherden mit Schäfer und Hütehunden. Jahrzehnte, sogar Jahrhunderte hindurch gab es im Ort neben der Feldwirtschaft auch eine ausgeprägte Tierhaltung. Auf dem Stiftungsgut war eine traditionsreiche Schafhaltung vorzufinden. Über den Ursprung sind heute nur Vermutungen anzustellen. So können aber allein seit 1642 bis 1835 für das Stiftungsgut Hakenstedt immerhin fast 20 Schafmeister und über 30 Schäferknechte namentlich nachgewiesen werden. Gern wurden die Pfennigsucher als nützliche Resteverwerter auf dem guten Bördeboden eingesetzt. Der Stalldung bildete zudem eine hervorragende Grundlage für das gedeihliche Wachsen und Werden auf dem Feld – in den Zeiten ohne Chemie. Als Weide standen immerhin über 500 Hektar Acker- und Wiesenland zur Verfügung. Sehr weite Wege - jeweils bis 4 Kilometer für eine Strecke – mussten tagein tagaus von den Herden bis zum entlegensten Feld zurückgelegt werden. Aus diesem Grund hatte man mitten in der Feldmark einen zusätzlichen Stall für die Unterbringung der Tiere errichtet. Erst in den 1970er Jahren ist dieser Stall wegen Baufälligkeit abgerissen worden. Bei akuter Seuchengefahr mussten die Schafe außerhalb der geschlossenen Ortschaft gehalten und betreut werden. Dafür war dieses Gebäude eine ideale Unterkunft. Den letzten Einsatz erlebte dieser Stall auf dem Tundersleber Feld nach dem großen Schafstallbrand 1969, bei dem das gesamte Stallgebäude auf dem Gutshof ein Raub der Flammen wurde. Über 800 Tiere konnten während des Brandes aus dem Stall gerettet werden. Bis auf ein Tier waren weiter keine Verluste zu beklagen. Der Wiederaufbau zog sich – Baumaterial war teilweise knapper als Südfrüchte – über Jahre hin. Erst Mitte der 1970er Jahre konnte der Stall wieder genutzt werden. Nach der politische Wende 1989 hat sich die Landwirtschaft, auch in unserer Gemeinde, einem grundlegenden Strukturwandel unterzogen. Es erfolgte die Konzentration auf eine effektive Ackerwirtschaft. Die Tierhaltung ist nun nicht mehr Teil der örtlichen Landwirtschaft – eine lange Tradition hat ihr Ende gefunden.

Unse Born

"Hale mal Water ut'n Born", wer kann sich heute noch an diesen Satz erinnern? Lange schon sind de Schucke und de Born aus dem täglichen Sprachgebrauch verschwunden. Wir haben uns alle daran gewöhnt, bei Bedarf den Wasserhahn aufzudrehen, und nach Lust und Laune über warmes oder kaltes Wasser in der gewünschten Menge zu verfügen. Vor kaum mehr als 30 Jahren gab es überall noch Schuckepumpen und frei zugängliche Treckeborns. So ein Treckeborn bestand aus einem offenen Brunnen, der ebenerdig mit einer Steinmauer umgeben war. Durch Holzklappen wurde der Zugang zur Eimerkette, die an einer Achse mit Krickel befestigt war, notdürftig abgedeckt. Bei Wind und Wetter, ob Sommer oder Winter, wurde der hauseigene Wasserbedarf durch den Gang zum Born geregelt. Auch die Entsorgung des Brauchwassers wurde eimerweise erledigt. Heute kaum mehr zu vermitteln. Wir möchten alle diese Vorzüge nicht mehr missen. Offene Brunnen gehören schon lange der Vergangenheit an, nur einige Schuckepumpen fristen noch ihr Dasein. Oftmals liebevoll herausgeputzt stehen sie heute in einem harmonischen Umfeld.