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NACHTWÄCHTER

Der Nachtwächter genoss bis in das 20. Jh. hinein einen guten Ruf. Sobald sich der Nachthimmel über das Dorf wölbte, zog er durch dunkle Gassen, achtete auf Funkenflug und böse Buben. Weil auch im Sommer die Küchenherde mit Holz und Kohle in Betrieb waren, konnten sich die mit Schilf bedeckten Dächer schnell entzünden. 1848 gab es einen Großbrand, bei dem 5 Einzelgehöfte an der Südseite der Hauptstraße dem Feuer zum Opfer fielen.

Für eine schnelle Brandbekämpfung existierte bereits 1730 an der Stelle des heutigen Spritzenhauses ein kleines massives Gebäude mit Werkzeugen zum Kampf gegen das Feuer. Ab 1657 werden in Aufzeichnungen Nachtwächter namentlich erwähnt. Sicherlich existierten bereits früher Vertreter dieses Berufsstandes, doch Aufzeichnungen vor dem 30. Jährigen Krieg gingen verloren.

Im chaotischen Nachkriegsjahr 1946 berief die Gemeinde wieder eine Nachtwache. Das Dorf war mit 700 Flüchtlingen und vielen sowjetischen Soldaten, die im Bruch kampierten, sehr beansprucht.  Erst zur Mitte des 20. Jahrhunderts verlor der Berufsstand an Bedeutung.
  
Das Klostergut besaß einen eigenen Nachtwächter, der ebensolche Verantwortung trug. Er prüfte jede Nacht den großen Tierbestand des Gutes. Die einzige Hofzufahrt wurde zur Nacht mit einem Tor verschlossen. In der Nachkriegszeit lebten auf dem Gutshof in verschiedenen Gebäuden viele Familien mit Kindern, ca. 40 Personen. Sie kannten sowohl Schließzeiten wie Nachtwächter. Personen vor dem verschlossenen Tor machten sich durch lautes Klopfen bemerkbar. Sobald der Nachtwächter dies Zeichen vernahm, öffnete er eine kleine Tür im Hoftor. War er gerade auf seiner Hofrunde, half Geduld.

Als Domizil nutzte der Nachtwächter in späteren Jahren eine kleine massive beheizbare Hütte, wenige Meter rechts hinter dem Hoftor. Ein Stück alte Gartenmauer musste weichen, um die alte Holzhütte zu erneuern. In kalten Wintern war es dort warm, so daß auch mal späte Gäste vorbeischauten.

Die nächtlichen Hofrunden verliefen im Uhrzeigersinn durch alle Ställe. Zuerst der Stall mit Kaltblütern, mit mehreren Gespannen. Hier übernachtete meist ein Pferdeknecht in einer Heuraufe, um im Fall einer nächtlichen Störung einzugreifen. Neben Kaltblütern besaß das Gut mehrere Ochsengespanne, die besonders schwere Arbeiten erledigten.

Der Kaltblüter Stall wies eine Besonderheit auf, von der wohl nur wenige wussten. In der Außenmauer zur Alten Dorfstraße befand sich fast in Gebäudemitte auf Kopfhöhe ein Loch mit ca. sechs cm Durchmesser, welches kurze Unterhaltungen des Nachtwächters mit dem des Dorfes zum vereinbarten Termin erlaubte.

Anschließend ging es bei Milchkühen weiter, wo meist ein kurzer Blick bei ruhenden Euterträgern genügte. Jetzt zum Schweinestall, wo Sauen, Ferkel, Läufer und Mastschweine lebten und dies durch Grunzen kundtaten. Meist reichte das geschulte Ohr, um nicht zu stören.

Nun zum großen Schafstall. Hier waren, bis auf die Lammzeit, ganz selten Störungen zu vermelden. Weil immer Lammzeiten zu festen Terminen abliefen, kontrollierte in der Zeit ein Schäfer zu nächtlicher Stunde das Stallgeschehen. 

Fast geschafft, noch ein Blick in den kleinsten Stall mit stolzen Warmblütern. Diese betreute tagsüber ein eigener Kutscher, der die Kutscherwohnung unweit des Hofes bewohnte.

Technischer Fortschritt ersetzte zunehmend schwere Bodenbearbeitungen, Ochsen und Kaltblüter hatten ausgedient. Warmblüter waren in der neuen Zeit zum Luxus geworden. Die restliche Tierhaltung endete mit dem Untergang der DDR und Rückübertragung des Volksgutes an die Braunschweig-Stiftung, die das Stiftungsgut seit 1992 wieder verwaltet.

Das modern hergerichtete Hofgelände weckt heute nur bei älteren Hakenstedter Erinnerungen an Zeiten, als Nachtwächter ihre Runden durch Dorf und Gut drehten. Schöne Zeiten? Gute Zeiten? Andere Zeiten!