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BRENNEREI
Lange Zeit prägte der große Brennereischornstein des Klostergutes als markantes Bauwerk das Dorfbild. Schon aus 1818 liegen Dokumente zur Brennereianlage vor, die Kartoffeln in 96%igen Sprit verwandelte. 
Der 1793 ins Amt gekommene Drost, Oberamtmann und Pächter Wilhelm Ludewig August Wahnschaffe veranlasste ihre Errichtung und den Bau von Anlagen zur Wasserversorgung und Reinigung von Brauchwasser.

 
Als 1860 durch Funkenflug in der Nähe des Gutes je ein Kuhstall und eine Scheune auf Bauernhöfen 8 (Reinecke) und 9 (Deicke) niederbrannten, erhöhte man den Schornstein.

Kartoffeln aus eigenem Anbau gelangten zur Verarbeitung, Abfallprodukte der Veredlung kamen der eigenen Tierhaltung zugute. Aus der Zeit um 1900 ist das Brennrecht des Klostergutes von 90.000 Litern bekannt.
Brennereikonzessionen erteilte der Staat, sie waren mit strikten steuerlichen Vorgaben verknüpft und nicht übertragbar.

 
Hakenstedt verfügte mit der Spritbrennerei bereits früh über eine industriemäßige Produktionsstätte, bot während der Verarbeitung im Herbst und Winter Beschäftigten ein gesichertes Einkommen.

 
Alles endete im Sommer 1945 schlagartig als sowjetische Truppenverbände unser Territorium im Tausch mit westlichen Alliierten besetzten. Die Sowjetunion ließ wegen Reparationsforderungen an Deutschland in ihrer Besatzungszone intakte Industriebetriebe und Gleisanlagen demontieren. So wie unsere voll funktionstüchtige Brennerei, deren alkoholische Restbestände auserwählte Abnehmer fand. Das Klostergut geriet unter staatliche Verwaltung und erhielt eine politische Führungsebene.
 
 
Noch fünfzehn Jahre nach dem Krieg rosteten mehrere große Stahlbehälter der Brennerei auf dem Hinterhof des Gutes sinnlos vor sich hin. Das sozialistische Werk war vollbracht.

Der große Schornstein überlebte als Wahrzeichen die Zerstörung der Brennereianlagen, er verschwand wegen Baufälligkeit in den 1970ern.

Nach Rückübertragung des Gutes an die Braunschweig-Stiftung 1992 errichtete das Stiftungsgut auf dem Platz der alten Brennerei einen modernen Technikkomplex, der das Hofensemble abrundet.
 
 
Nur nostalgische Ansichtskarten erinnern noch an den großen Brennereischornstein und seine Geschichte.