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GEBÄUDE mit GESCHICHTE 4

THIE
Der Thie, auch Markt genannt, ist ein freier Platz zwischen Hauptstraße und Witwengang. Bis 1865 gab es hier nur ein kleines Spritzenhaus mit Geräten zur Brandbekämpfung. Erst 1865 folgte die Errichtung des zweiten Schulgebäudes direkt neben dem Spritzenhaus. Den Bauplatz dafür stellte das Klostergut zur Verfügung.

Zwei Klassenzimmer im Erdgeschoss sowie ein Nebengebäude mit Abstellräumen und Sanitäranlagen ergänzten den Schulbau. Nach dem Krieg nutzte der Kindergarten die ehemaligen Klassenzimmer.

Im Dachgeschoss bot eine Wohnung, die seit der Nachkriegszeit genutzt wurde, eine spartanische Unterkunft. Hier lebten, zeitlich versetzt nacheinander, drei vierköpfige Familien. Nach Auszug des Letztmieters steht der Wohnraum leer.

1898 errichtete das Klostergut daneben eine weitere Schule für Kinder der Beschäftigten. Dieser Winkel-Backsteinbau besaß einen großen Klassenraum und eine Lehrerwohnung.
Beide Räumlichkeiten waren von der Thieseite erreichbar, die Lehrerwohnung verfügte über einen zweiten Eingang auf der Hofseite. Zeitweise war die zum Thie weisende Wohnung im Dachgeschoss bewohnt.

Der Thie diente immer schon als Versammlungsplatz, die Schulen nutzten ihn für Apelle oder Sportunterricht. Ansonsten war er Bolzplatz, heute Parkplatz. Maiumzüge unter roten Bannern endeten hier mit politischen Reden von Bürgermeister, Direktor des Volksgutes oder dem LPG-Vorsitzenden, die jährlich wechselten.

Als das Fernsehen noch in den Kinderschuhen steckte, schlug auf dem Thie jährlich ein Puppenspieler sein Domizil für einige Tage mit seinem Schaustellerwagen auf. Für Kinder und Erwachsene war dies immer eine gern gesehene Abwechslung. Seine, mit Handpuppen gespielten Geschichten, verbreiteten Spannung und Belustigung bei Groß und Klein. Jedes Kind brachte dazu ein Sitzmöbel mit, eine Hutsche von Oma.

Nach 1990 war wöchentlich lebhaftes Markttreiben auf den Thie angesagt. Viele kleine fahrende Händler brachten ihre angebotenen Waren unter das Volk. Doch mittlerweile hat der Zahn der Zeit diesen traditionsreichen Dorfplatz in einen Dornröschenschlaf versetzt.
Keine Händler mehr, kein rotes Fahnenmeer. 

Wie der Thie, erlebten auch die historischen Bauernhöfe in seinem Umfeld einen zeitlichen Wandel. Für den Thie weniger tragisch als für Bauernhöfe, deren gewachsene Traditionen nach dem Zweiten Weltkrieg politische Ideologien zerstörten. Die neuen Machthaber meinten so ihre Ziele verwirklichen zu müssen.

Wer ideologische Irrungen mit Zwang umsetzen will, ist früher oder später immer zum Scheitern verurteilt.