Ein Sohn Hakenstedts
Dem, am 13.07.1670 in Hakenstedt als Sohn des Amtmannes
Gebhard Johann Hampe und seiner Ehefrau
geborenen Sohn Henning Franz Hampe, fiel in der Haldensleber Stadtgeschichte eine
wichtige Rolle zu, als der Churfürstliche Hof am 25. Januar 1700 ihn „zu einem
Mitglied des Rates und zu einem beständigen Kämmerer“ berief.
Vorausgegangen war ein von Friedrich Wilhelm, Herzog von
Preußen, 1685 erlassenes Edikt mit Gewährung des Bleiberechts für Hugenotten, die aus ihrem Heimatland Frankreich flohen.
Bis zu 20.000 Personen kamen nach Preußen und sorgten für eine positive
Entfaltung von Wirtschaft und Handel. Sein Sohn Friedrich I., der sich 1701 zum
König von Preußen erhob, setzte das Werk seines Vaters fort.
1699 stand Haldensleben vor großen Herausforderungen, als
die ersten 50 Familien ankamen. Unterbringung und Beschäftigung waren zu
organisieren, ihre religiöse Ausübung zu gewähren und die Eingliederung in
handwerkliche Gilden abzustimmen. Bauland für die neu zu errichtende
Französische Kolonie stellte der Rat zur Verfügung, viele weitere Aufgabenstellungen waren zügig
umzusetzen.
Dafür ernannte der Churfürstliche Hof den in Hakenstedt
geborenen Henning Franz Hampe zum Kommissär für das Stadtgremium Haldensleben.
Zur Stärkung seiner Befugnisse erhob ihn der Landesherr 1701 zum dritten
außerordentlichen Bürgermeister der Stadt.
Als 1706 Bürgermeister Bartling verstarb, nahm Henning Franz
Hampe seine Stelle im Ratskollegium ein. Im gleichen Jahr erwählte man ihn zum
Schultheiß und Stadtrichter, er war in Personalunion Bürgermeister, Kämmerer
und Richter. Sein organisatorisches Talent, Durchsetzungsvermögen und fachliche
Kompetenzen übten großen Einfluss auf strukturelle, städtebauliche und
organisatorische Entwicklungen aus, die bis heute von seiner Weitsicht Zeugnis
geben.
Eine kleine Randnotiz liefert Prof. Dr. Th. Sorgenfrey in seiner
1902 erschienenen Neubearbeitung der „Chronik der Stadt Neuhaldensleben“ von
Peter Wilhelm Behrends. Dort steht zur Kriminalität in der Stadt folgendes:
„Hauptverbrechen kamen glücklicherweise hier nicht vor. Der vom Bürgermeister
Hampe im Jahre 1711 zuletzt mit vieler Feierlichkeit errichtete neue Galgen
verfiel daher und wurde nicht wieder hergestellt.“
Nach seinem Ableben am 18. Juni 1722 fand Franz Henning
Hampe in einem Gewölbe der Jacobi-Kirche seine letzte Ruhe. Diese Kirche stand mit
seiner Zustimmung Haldensleber Hugenotten zur Verfügung.
So, wie Franz Henning Hampe in Haldensleben seine Spuren
hinterließ, hatte auch sein Vater Amtmann Gebhard Johann Hampe in Hakenstedt
große Verdienste erworben. Als Pächter und Verwalter des Klostergutes von 1638 bis
1670 sorgte er während und nach dem 30jährigen Krieg für einen geregelten
Wiederaufbau des 1638 abgebrannten Klosterhofes und der im Umfeld zerstörten
Bauernhöfe. Zudem schätzen wir sein umfangreiches handschriftliches Werk mit
Aufzeichnungen aus der Zeit des 30jährigen Krieges und darüber hinaus.
(Unter freier Interpretation von Inhalten aus der
"Kreis-Chronik Neuhaldensleben" von Peter Wilhelm Behrends, Teil I.
1826, sowie Familiendaten aus "Familienbuch Hakenstedt" von Kurt
Bartels, und Netzrecherchen) aktualisiert: 02/2025